Liedgedanken - Mit Liedern predigen

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:13: Hallo und herzlich willkommen zu Leadgedanken dem Podcast über Kirchenmusik.

00:00:16: Mein Name ist Daniel Posttech, ich arbeite als Kirchen Musiker für die Neue Apostolische Kirche Nord- und Ostdeutschland.

00:00:21: Und ich begrüße mir gegenüber den Berliner Dirigenten und Kirchen-Musikern.

00:00:26: Volker Hittfeldt – hallo Volker!

00:00:35: Verlasst euch nicht auf Fürsten, und sie sind Menschen die können ja nicht helfen.

00:00:40: Und das ist ein Zitat aus Psalm hundred-sechsenvierzig mit dem ich heute mal starten möchte.

00:00:46: Psalme hundred-sächsenvierzig ist so ein Text voll von Lob, von Jubel, von Freude, von Dank und ich glaube dass viele Einzelferse vielen Christinnen Eigentlich ganz vertraute Lebensbegleiter sind, sowohl im Lied wie auch im Gebet.

00:00:59: Zum Beispiel Psalm number one-hundertsechsundvierzig immer fährst zwei.

00:01:03: ich will den Herrn loben solang ich lebe und meinem Gott lobt singen so lang ich bin oder ebenfalls aus einem der zehn Färse des Psalms.

00:01:12: daher macht die Gefangenen frei oder wohl dem dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den Herren.

00:01:20: All das wird uns in unserem heutigen Psalmlied, also einer bewussten Nachdichtung eines Psalmes begleiten.

00:01:28: Wir sprechen über Du meine Seele singe!

00:01:49: Auch über beide Melodiefassungen sprechen

00:01:51: können.

00:01:53: Genau, und mir wäre es wichtig vorab noch einmal bewusst über dieses Thema der Psalmen zu sprechen.

00:02:01: Wir haben in der letzten Episode bereits kurz über den Genf-Absalter gesprochen Und ich muss bekennen dass ich so in meiner persönlichen Glaubenspraxisspiritualität In letzter Zeit, in den letzten Jahren so meine Liebe zu hebräischen Bibel oder zum ersten oder wie wir auch noch heute noch zumeist sagen zum alten Testament entdeckt habe.

00:02:24: Da steckt für mich ganz viel drin was mir so nicht bewusst war und was auch dann vielen neuen Testamenten für mich zumindest beeinflusst Und die Psalm nehmen da natürlich eine eine ganz besondere Rolle.

00:02:42: ein Beispiel Vielleicht, wie sehr die Psalmen ja auch christliche Rezeption beschäftigen oder beeinflusst haben.

00:02:53: Psalm zweiundzwanzig sind die letzten Worte, die hier so am Kreuz spricht.

00:02:58: Mein Gott mein Gott warum hast du mich verlassen?

00:03:01: Ist ein Zitat aus psalm.

00:03:03: zweiundzwantzig.

00:03:03: also obwohl die psalmen in erster Linie jüdische Texte sind, haben sie auch die christliche Lehre sehr intensiv beeinflusst und mitgeprägt.

00:03:18: Volker, ich weiß dass du ja in diesem Jahr in einem interreligiösen Projekt mit deinem Kammerchor unterwegs bist wo es auch um Salmvertonung geht.

00:03:28: vielleicht magst du unseren Hörerinnen da einen kleinen Einblick geben?

00:03:33: Ja lass mich wenn wir die Zeit haben kurz ein bisschen ausholen.

00:03:37: das begann eigentlich als wir Wann ist der Israel-Krieg ausgebrochen?

00:03:48: Ich glaube, es ist ... Furchtbare Attentat war das ... April.

00:03:57: April.

00:03:57: Das waren wir in den Vorbereitungen für unser neues Konzert im Oktober im Eastern Egypt von Georg Friedrich Händel und das wurde dann ganz unten ... Naja, ohne unser Zutun doch sehr brisant dieses Thema.

00:04:19: Der Rehas Kanakor hatte das Programm auch und die sagten dann ab Und wir haben uns genau mit diesem Stück, die haben das Stück ausgetauscht, sehr kurzfristig um den Jahreswechsel.

00:04:30: Wir haben überlegt ob wir es machen und wenn ja wie?

00:04:34: Weil wir damals in der Sofienkirche mit der dortigen Pfarrerin sehr engen Austausch hatten.

00:04:39: Die hat eine wunderbare Einordnung dieses Stückes vor Beginn des Konzerts gemacht Und weil wir wussten, dass das sehr gut würde.

00:04:48: Wir haben einen jüdischen Vertreter eingeladen die im Nachhinein extrem dankbar waren, dass sie dieses Stück gemacht haben.

00:04:55: Das hat jetzt erst mal nichts mit dem Psyme zu tun aber ich komme gleich dazu.

00:04:59: Denn seither haben wir intensiveren Kontakt zur jüdischem Gemeinde – ich weiß gar nicht wie man das so sagen darf in Berlin – auch die sich gemeinnenden weiss ich nicht… Aber D mit jüdischem Menschen, die uns dann auch in ihre Synagoge eingeladen haben.

00:05:22: Wir waren da und haben mit Opus Fokale eine Synagoe besichtigt.

00:05:27: Und es war total schönes

00:05:29: ...

00:05:31: wirklich eine warme herzliche Begegnung.

00:05:36: So!

00:05:36: Und daraus ist der Gedanke entstanden, dass wir etwas Gemeinsames machen können.

00:05:43: Der kleinste gemeinsame Inhaltlich-theologische Nenner zwischen dem jüdischen Glauben und dem christlichen Glaubens sind eben die Pseime.

00:05:53: Und daraus ist die Idee entstanden, dass wir im Rahmen des Lewandowski Festivals was immer in der Synagoge stattfindet meistens in der zweiten Jahroshälfte diesmal in diesem Jahr etwas erweitert schon mit einem großen Konzert vor der Sommerpause zusammen mit dem Synogal Ensemble Der jüdischen Gemeinde hier in Berlin ist ein Profikor mit ganz schön vielen großen Stimmen, also so einen Opern-Sound-Core.

00:06:28: Mit ihnen zusammen ein Gemeinsigungskonzert machen und das jede Gruppe, also viel

00:06:33: Opus-Vokale und

00:06:36: sie ihre Psalme mitbringen.

00:06:39: Und so ist es dann auch gekommen dass wir ein ganz

00:06:42: schickes Programm aufgeführt

00:06:45: haben Und unter anderem, wie ob es Kalle mit dem von dir genannten Psyme.

00:06:53: Aber wir haben auch andere Sachen gemacht.

00:06:55: Richtig mich Gott vom Männelssohn oder aus der orthodoxen Musik von Rachmaninhoff, dem

00:07:03: ersten Psymen.

00:07:06: Es waren wirklich sehr sehr lohnendes Programm.

00:07:10: zusammen mit den Menschen Und dem Synogalkor haben wir dann so Werke von Samuel Alder oder hinten raus, von Charles Osborn.

00:07:26: Oder eben von Lewandowski also rein

00:07:28: jüdischen

00:07:29: Komponisten Musik gesungen unter der Leitung von ... schau ich ganz schnell nach, da sich den Nachnamen richtig aussprechen bitte verzeih mir das.

00:07:42: Die Kollegin heißt Regina Wandtian.

00:07:45: Ich hab sie immer nur als Regina kennengelernt, Regina Wandjern.

00:07:49: Sie hat die gemeinsamen Stücke dirigiert.

00:07:51: Das war besonders beeindruckend, dass sowohl inhaltlich als auch von der Musiksprache, jüdischem Muttersprachlern musiziert und geleitet zu werden.

00:08:06: Eine tolle Erfahrung!

00:08:09: Klingt mega spannend ... Vielleicht ein kleiner Hinweis.

00:08:13: Louis Lewandowski, einen im deutschsprachigen Raum relativ bekannter jüdischer Kantor und Kirchenmusiker gewesen der sehr schöne salonswerte Psalmen auch für kleinere Chorgruppen gut auffüllbare Sachen geschrieben hat.

00:08:31: Samuel Adler habe ich im Rahmen meines Studiums noch persönlich kennengelernt.

00:08:35: Samuel Adlar du hast den Namen bereits erwähnt mit seinen Eltern Oder seine Eltern sind emigriert in die USA während des Zweiten Weltkriegs oder davor und besucht gelegentlich noch Deutschland.

00:08:51: Und einem dieser Besuche hatte ich die Chance, ihn kennenzulernen – auch Stücke von ihm zu musizieren!

00:08:57: Ja das lebt noch richtig.

00:09:00: Hohes Alter, hohe Neunziger.

00:09:02: irgendwo ist er jetzt

00:09:03: gerade her.

00:09:04: Aber Agile?

00:09:05: Ja.

00:09:06: Agile-Neunzige….

00:09:07: Lass mich doch gerade noch ein paar Basics zum Thema Psalmen nachreichen, dass wir alles auf einem Stand sind.

00:09:13: Je nach Übersetzung und Zählung – also man unterscheidet da Volgata oder Septuaginta – zählen wir Hundertfünfzig Psalmanen, die sind aufgeteilt in insgesamt fünf Bücher.

00:09:25: Die meisten Psalm wurden vermutlich gesungen und auch instrumental begleitet.

00:09:30: bei manchen Psalmonen steht es vorne an, das steht auch ob es einen Psalmin von König David ist, oder ob er König-David gewidmet ist.

00:09:38: Ob die bei denen es dran steht wirklich alle von ihm getextet wurden?

00:09:43: Ist fraglich!

00:09:46: Es gibt Lob und Dank Psalmen, es gibt aber auch Boos und Klagepsalm.

00:09:51: also die Psalme bilden so wirklich alles einmal ab, alle menschlichen Zustände, die man sich vorstellen kann.

00:10:01: Und ich würde behaupten das so der berühmte Psalm XXIII ist.

00:10:06: Daher ist mein Hirte mir wird nichts mangeln.

00:10:08: Ich glaube nahezu jeder in einer christlichen Kirche sozialisierte Mensch kennt zumindest den Anfang dieses Psalms auch sehr beliebt als Taufspruch oder für Konfirmation und so weiter.

00:10:22: Immer sehr nah ist auch Psalm Hundertdreißig als Vertreter der Klagepsalmen.

00:10:27: Das ist der Psalme aus der Tiefe, da gibt es auch aus tiefer Not ein Psalmi von Martin Luther und so weiter.

00:10:33: die Psalmen sind Teil der Liturgie der meisten christlichen Kirchen.

00:10:39: Wir kennen sie in der Gestalt des Eingangs oder Antwortpsalms Als Antwort auf eine Lesung.

00:10:45: wir kennen Sie Aber auch in der klösterlichen, monastischen Tradition als Begleiter einer jeden Tageszeit von Martin bis zu Komplett.

00:10:59: Je nach Leseplan und monastischer Tradition werden die Psalm in der Gesamtheit, also alle Hundertfünfzig innerhalb von einer Woche oder von zwei Wochen, oder von einem Monat gelesen und gebetet.

00:11:18: Da gibt es ganz unterschiedliche Modelle Gesangsmodelle und die Psalmen sind darüber hinaus ja nicht nur Gebete sie enthalten so prophetische Elemente Sie enthalten auch ganz viel Gesellschaftskritik und Seelsorge.

00:11:35: Und diese Macht- und Gesellschaftskritik ist schon spannend, wenn man mit der Brille diese Psalm nochmal liest.

00:11:42: Entdeckt man einige sehr schöne stolper Steine möchte ich sagen.

00:11:47: Musikalisch kommen die Psalmen in einer ganz einfachen liturgischen Singweise daher auf dem Psalmton, dem sogenannten Rätstationston das eine einfache Melodiemodelle, die angewendet werden für verschiedene Psalme.

00:11:59: Es gibt Psalmodin, es gibt Antifonale und responsoreale Psalm.

00:12:05: Wenn wir gar nicht näher darauf eingehen... ...es gibt mutettische Psalmenvertonungen und Psalms Lieder.

00:12:13: Es gibt den Genfapshalter, es ist rein instrumentale P Salmen Meditationen.

00:12:18: Es sind auch wunderschöne Psalme Übertragungen, die da nicht musiziert sind, dann nur gesprochen werden von zeitgynästischen Theologen.

00:12:27: Also du merkst, die Psalmen sind da ein ganz weites Feld oder wenn du so willst auch ein ganz tiefes Meer in dem man nicht wie in der letzten Episode angesprochen verschwindet und dann in das man eintauchen kann.

00:12:39: Es unglaublich reich

00:12:40: ist!

00:12:41: Das stimmt und gerade habe ich es ja schon so bisschen ausgeführt und du weißt das hier auch?

00:12:46: Wie gerne ich auf diesem Feld arbeite... In den Nordpistolischen Kirchen spielen die PSalmen ja zumindest leuturgisch keine Besonders große Rolle.

00:12:58: Wir finden sie in unserer Literatur meistens in einfacher Lied- oder Motettenform und damit haben Sie erst mal keinen fest markierten Platz in unseren Gottesdiensten.

00:13:09: Klamauf, selbst die Doxologie, die Ehre seit dem Vater und dem Sohn verwendet.

00:13:16: Sohn ist ja als einzelne Stück in unserem Korbuch unter .

00:13:26: wird so, glaube ich gar nicht wahrgenommen von vielen Korsingenen und Korleiten als liturgisch fest vorgesehen.

00:13:33: Nämlich nach einem Psalmgesang aber darüber sollten wir da mal separat sprechen.

00:13:39: also Ich sehe für mich darin eine Verbindungslinie tief hinein in das alte Testament Im Rezipieren und Musikieren interpretiert vom psalm und finde die Möglichkeit eines

00:13:53: antwort

00:13:54: Psalms eigentlich immer besonders schön.

00:13:57: Also als Antwort der Gemeinde auf eine gehörte Bibellesung ist so ein gesungener oder gesprochener Psalm sehr schön, das schafft immer ganz neues Bewusstsein.

00:14:11: Ja nichts ist zu weniger geht ja die Tradition der psalmen Lieder auf Martin Luther direkt und auf die Reformation im Allgemeinen zurück.

00:14:22: Dies hatte ja den Vorteil, die Texte der Psalmbücher Christozentrisch dazu zu konnotieren oder einzunehmen.

00:14:33: Das war als kleine Nebennote und so neben Lutters eigenen Psalmenliedern – ich habe eines schon erwähnt aus tiefer Not aber auch ein Feste-Bürgsen-Sagott ist ein ganz explizites Psalmediet.

00:14:46: kennt man vielleicht den backerschen Psalter vor allem in der Vertonung von Heinrich Schütz.

00:14:54: Ich weiß, Volker das bei euch in der Küche einer dieser bekarschen Psalter nämlich alle Augen warten auf dich herre neben dem Est schenkt mit den entsprechenden schützischen Noten.

00:15:05: aber es gibt auch Lieddichtungen wie das Lied Wie schön Leute der Morgenstern die basiert auf psalm forty-fünf oder dass uns eben hier vorliegende du meine Seele singe.

00:15:19: Das hat im Original übrigens zehn Strophen, da auch der zugehörige Psalm aus zehn Fersen besteht.

00:15:27: Jedoch – und das finde ich spannend – wurde in keinem Kirchengesangbuch das Lied mit allen zehn Stropfen abgedruckt.

00:15:36: Ob das wohl an dem von mir eingangs zitierten Text liegen könnte?

00:15:49: Könnte sein.

00:15:51: Umso schöner, dass ich jetzt unlängst in der Zeitschrift Musik und Kirche las, das im neuen evangelischen Gesangbuch erstmals dieses Lied mit all seinen zehn Strophen erscheinen wird also auch mit denen durchaus Herrschaftskritischen.

00:16:08: Na, das ist ja schön!

00:16:10: Im NGB ist das Stück mit drei Strophenfertreten Volker, bevor du uns die erste Strophe vorließt, möchte ich den dazu passenden Psalmfers vorlesen.

00:16:24: Im Salm heißt es Halleluja!

00:16:27: Lobe denn Herrn meine Seele.

00:16:29: Ich will den Herrn loben solang ich lebe Und meinem Gott lobt singen Solange ich bin.

00:16:36: Du meine Seelesinge Wohl auf und singe schön Dem welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehen.

00:16:48: Ich will den Herrn droben ihr Preisen auf der Erd.

00:16:53: Ich will ihn herzlich loben, solang ich leben

00:16:56: werde.".

00:16:58: Und wir merken, der Psalm ist hier lediglich inhaltliches Vorbild aber keine formale Grundlage.

00:17:05: die Strophen sind deutlich länger und haben auch durchaus noch mal eine andere Schlagrichtung oder Ausdifferenzierung der Aussage des Psalms.

00:17:15: Typisch Vergärt ist hier mal wieder die Ich-Perspektive.

00:17:21: Das schafft absolut Anschlussfähigkeit, soll halt jeden Einzelnen ansprechen.

00:17:27: Allerdings haben wir auch weder ein Phänomen, welchen wir schon aus einem anderen Loblied

00:17:32: kennen.

00:17:33: Der spielt es vermutlich auf die Ansprache der Seele als einen eigenständigen Teil der Person des Selbst an?

00:17:41: Ganz genau, es ist wie im Text Lobedin Herrn Meine Seele oder auch Lobedinn Herrn dem mächtigen König der Ehren wo es heißt meine geliebte Seele.

00:17:50: das ist mein Begehren.

00:17:52: Über das Lied sprachen wir schon im vergangenen Jahr.

00:17:55: wer es noch nicht gehört hat kann da gerne nochmal reinhören.

00:17:57: da ging's um das ernte Dankfest.

00:18:00: aber du hast recht Herz und Seele haben ja in der theologischen Sprache ganz unterschiedliche Charakteristika.

00:18:08: Die Seele ist oftmals eher der furchtsam empfindliche Teil.

00:18:13: Wenn die Seele schon singt, dann singt erst der ganze Mensch!

00:18:18: Und jetzt kommt natürlich was uns oder mir als Chorleiter sehr gut gefällt.

00:18:24: Nämlich dass sie Seele ganz explizit

00:18:27: schön

00:18:28: singen soll.

00:18:30: Da wird es gefährlich... Was ist Schönheit?

00:18:35: Um Bertho Echo hat zu dem Thema ein spannendes Buch geschrieben, die Geschichte der Schönheit.

00:18:43: Und der Titel verrät es schon.

00:18:46: Schönheit, wenn wir jetzt Echoes Gedanken zumindest folgen wollen ist ja gar nichts objektiv zeitloses Sondern, Schönheit und das ist ein blödes Sprichwort.

00:19:00: aber es hängt ja auch was wahres dran.

00:19:02: Schönheit liegt im Auge des Betrachters oder bisschen technischer ausgedrückt.

00:19:08: Schönheid ist ein kulturelles Konstrukt.

00:19:12: Schönkeit kann man entweder in Harmonie- und Gleichmäßigkeit sehen erkennen wahrnehmen in Reinheitszeichen wie zum Beispiel einer möglichst hellen weißen Haut.

00:19:24: Schönheit kann aber auch der Indikator für Wohlstand und Reichtum sein, wie z.B.

00:19:31: schwarze Zähne weil das heißt jemand hatte genug Geld sich zugehaltige Lebensmittel zu kaufen oder wohlproportionierte körperliche Rundungen weil man eben keinen Hunger litt.

00:19:41: also Schönheit ist immer auch Ausdruck einer gesellschaftlichen Konnotation und zur Zeit der Reformatoren ist Schönheit immer etwas, was wir theologisch zu deuten haben.

00:19:57: Und Schönheit meint hier wahrscheinlich gar nicht.

00:20:00: würde ich jetzt... Ich würde mich so weit aus dem Fenster lehnen zu sagen dass hier keine ästhetische Komponente mit Schönheit gemeint ist Sondern schön ist das, was gottgefällig ist.

00:20:10: Schön ist das was Gott gleich ist, was göttliche Wahrheit und ein göttliches Bild abbilden könnte.

00:20:18: Und demnach wäre hier ein schönes Singen des Richtigens Lides und nicht der richtigen Töne daher... Naja hat es vielleicht eher eine Moralische als eine... Ästhetische Implikation.

00:20:35: Ja, wir lernen im weiteren Verlauf aber auch noch etwas über das Gottesbild dem, welchen alle Dinge zu Dienst und Willen stehen.

00:20:45: dieser Halbsatz beinhaltet ungeheure Macht und gleichzeitig auch eine gewisse Passivität.

00:20:51: Ich würd so sagen dass das ein Antwortversuch auf die damals noch nicht gestellte Aber heute doch sehr berühmte Theodizie Frage ist.

00:21:01: Ah, weiß ich nicht, glaube ich kaum.

00:21:03: Aber ich würde mal sagen dass dieser unscheinbare Halbseits uns hier in ein groß Meinungskorridor schauen lässt gerade mit Blick auf Gerhards Leben mit den vielen Schicksalsschlägen dem Leid dem Tod und einem schlimmen kennen wir ja keinen Schriftzeugnis von Paul Gerhardt mit der Frage worum er das zulässt?

00:21:25: Und doch findet es hier eine ungesagte Andeutung.

00:21:30: Ja und es ist die Kraft des ungesagten gerade angesichts des größten Leides, die mich dann immer wieder fasziniert.

00:21:40: Und erlauben wir jetzt einen Seitenthema aufzumachen dass eigentlich kein Seitenthema sein dürfte.

00:21:49: Auf meinem Lesetisch liegt derzeit das Buch Die Frauen von Auschwitz Dort, in haftierten überlebenden polnischen Autoren bereits im Jahr nineteenfünfundvierzig geschrieben und beschreibt so den Alltag in diesem Frauenlager in Auschwitz-Birknau.

00:22:12: Und zwar mit allen ungeschönten Gräultaten und mit allen Lebensumständen.

00:22:21: dort empfand ich dann ganz ähnliche Gefühle in der Vorbereitung dieser Episode, also diese Bewunderung.

00:22:33: Das dort wo man wirklich vom Rand menschliche Existenz sprechen kann.

00:22:38: Also wo unbarmherzig Hunger und Kälte Krankheit tot und Grausamkeit vorherrscht.

00:22:47: jeder Noch so kleine Glücksmoment, der im ganz unscheinbaren ist.

00:22:53: So unendlich wertvoll und ausgesogen und ausgekostet wird.

00:22:58: Was für eine Macht auch im Ungesagten steckt.

00:23:05: Im kleinen Blick, im Wort, in fünf Minuten kürzeren Zählappell... Die Frage nach Allmacht oder Liebe oder Grausamkeit eines Gottes, die wird nicht gestellt.

00:23:20: Vielmehr wird all das was schön ist unmittelbar als solches auch erfahren.

00:23:27: und vielleicht um jetzt auf das Thema zurück zu kommen, auf das Lied zurückzukommen liegt darin vielleicht ein bisschen das Geheimnis von Paul Gerhard Texten.

00:23:38: also du musst ja gar nicht der super gläubige sein.

00:23:42: Vielleicht bringt er das in Worte, was im Menschen steckt – vielleicht ist es Teil unserer DNA diese göttliche Liebe immer bei uns mehr oder weniger präsent zu spüren, auch wenn wir sie nicht in Wörter fassen oder so benennen können wie Sie wirklich sind?

00:24:10: Möchte ich gar nichts dazu sagen mehr, das war nämlich ein sehr starker Abzweig.

00:24:16: Ich finde wir sollten jetzt mal ein bisschen Musik

00:24:18: hören!

00:25:37: und sinken in den Tod.

00:25:38: Es muss den Geist auslassen, selbst werden Erd-und

00:25:43: Kot.".

00:25:44: All da ist es dann geschehen mit seinem klugen Rat und ist frei klar zu sehen wie schwach sei Menschentat die dazugehörige Referenzzeile oder der dazugehörige referenz.

00:26:00: fair Sympthalm lautet denn das Menschengeist muss davon und er muss wieder zur Erde werden, dann sind verloren all seine Pläne.

00:26:13: Und das ist doch mal pure Varnitas also die Lehre von der Vergänglichkeiten.

00:26:19: Das finde ich so stark.

00:26:23: Salmen sind dann doch mehr als der Herrsmannierte erfüllt mich zu frischen

00:26:27: Wasser.".

00:26:36: Das ist schon eine ziemlich starke Textlichkeit.

00:26:39: Ich bin gespannt, wie das neue evangelische Gesangbuch mit

00:26:44: diesem

00:26:44: Passus umgehen

00:26:45: wird.

00:26:47: Da sagst du was?

00:26:49: Aber ich muss sich diesen Text denn unbedingt so wörtlich nehmen... Ist es eine Sterbestrophe oder...?

00:26:57: Kann das nicht auch heißen?

00:26:59: Gibt dem Geist Gottes Raum in dir.

00:27:03: Also mit Blick auf das hinter uns liegende Pfingstfest, dass Atmen des Heiligen Geistes führe uns zum Waren, zum ewigen Leben.

00:27:15: und erneut lese ich auch in dieser Strophe doch eine ganz schön kräftige derbe Herrschaftskritik.

00:27:25: Also ich stelle mir vor, ich lese diesen Text oder ich singe diesen Vers und zur Zeit der Psalm.

00:27:33: Ich blicke auf einen barbilonischen König, auf einen asyrischen Könige, auf einem römischen Kaiser, der sich selbst in den Status eines Gottes erhebt, wo er sich anbeten lässt.

00:27:48: und dann kommt dieser Text ins Spiel Und das ist ja eine maximale Demütigung.

00:27:58: Und zwar ohne dass jetzt explizit Personen angesprochen werden, also ich finde es schon einerseits ganz massiv und stark aber dann so subtil, dass man schon kurz darüber nachdenken muss.

00:28:12: hat er das wirklich gesagt?

00:28:15: Hat der das wirklich geschrieben?

00:28:16: Wie meint ihr das eigentlich?

00:28:17: Das ist schon faszinierend!

00:28:20: Spannender Blickwinkel.

00:28:21: denn jetzt könnte man hier sagen, dass der Psalm

00:28:26: fast

00:28:26: so eine Anstiftung zur Achtung.

00:28:28: Fremdwort Insupf-Ordination also zur Autoritätsuntergrabungen wird?

00:28:36: Ja das ist ein Wort, das könnte fast aus

00:28:39: meiner Frage drauf

00:28:40: kommen.

00:28:44: Lass uns doch mal schauen ob es in einem ähnlichen Duktus weitergeht.

00:28:50: Zweite Strophe, Wohl dem der einzig schaut nach Zions Gott und Heil.

00:28:56: Wer dem sich anvertraut, Der hat das beste Teil Das höchste Gut erlesen Den schönsten Schatz geliebt.

00:29:05: Sein Herz und ganzes Wesen Bleibt ewig ungedrückt Und auch dazu passt wieder Ein Psymefers!

00:29:15: Wohl Dem dessen Hilfe Der Gott Jakobs ist, Der seine Hoffnung setzt Auf den Herrn.

00:29:22: Seinen Gott.

00:29:24: Kleine Anmerkung, hier gibt's eine Textänderung.

00:29:27: Paul Ger schreibt im Original wohl dem der einzig schaut nach Jakobs Gott und Heil.

00:29:34: Der Blick In dieser Strophe richtet sich voll auf diesen immateriellen Schatz also auf das was wir gewinnen wenn wir mit Gott unterwegs sind.

00:29:45: Und dieses Unterwegssein, wie du so schön sagst wird auf schöne seelsorgerische Weise ausformuliert.

00:29:54: Richtet den Blick aus und vertraue dich dem an!

00:29:59: Hier können wir diese Psalm-Anlehnung ganz christlich denken – also Christus ist durch die Tiefen des Lebens und des Todes gegangen.

00:30:10: Er wurde zum leidenden Gott, damit können wir uns ihm anvertrauen denn er versteht das alles.

00:30:18: Aus antiker Sicht ist das auch wieder ein sehr revolutionärer Gedanke weil was interessiert schon einen Gott Jupiter?

00:30:25: Einen Gott Zeus?

00:30:26: Ein Usiris?

00:30:29: Dein persönlicher Schicksal?

00:30:30: Deine Erwerbslosigkeit?

00:30:32: Deinen Hunger oder ehrlicherweise auch gar dein Leben beim Gott Israel, bei dem Christus.

00:30:41: Da kannst du dir aber sicher sein, du bist für den interessant und dieses Gefühl des Geliebtseins, gleichzeitig das Verstandenwerdens – das ist dann dieses höchste

00:30:54: Gut!

00:31:09: Du ziehst den Hut und wir ziehen gemeinsam auf die textliche Zielgerade.

00:31:15: Es folgt damit die Strophe drei, fährst Zehen aus den dazugeregen Psalmen.

00:31:41: Der Herr ist König Ewiglich, dein Gott zion für und für

00:31:47: Halleluja.".

00:31:50: Hier gibt's die Textstelle mit der Welken Blumen und Blumen.

00:31:55: Und dazu möchte ich dann eine kleine Geschichte erzählen.

00:31:59: Wir waren letztens in Lübben wir mit den Hermanoor Assembles Anlässlich des Dreihundertfünfzigsten Todestages.

00:32:09: Am siebenzwanzigsten Mai war der diesen Jahres genau und am Sonntag drauf waren wir in der Porgärtkirche, dort wo er beerdigt worden ist, wo seine letzte Station war – das hatten wir in dem biografischen Daten genannt!

00:32:27: Und die erste und die im evangelischen Gesamtbuch Achte also die letzte Strophe sind dort auf Tafeln im Altarbereich an der Wand zu lesen und die Lübbener haben sich erlaubt, statt der Welkenblume ... Die Wiesenblume einzusetzen.

00:32:50: Was ich super schön finde!

00:32:53: Der Herr Leines König, ich eine Wiesenbloom Und wir haben den Lübingern den Gefallen getan und diese Strophe dann auch so verändert.

00:33:03: Wir haben das tatsächlich so vorgetragen.

00:33:07: Das findet man so auch irgendwie in keinem Buch.

00:33:09: Vielen Dank für diesen Eindruck vom Ort des Geschehens!

00:33:16: Jetzt haben wir ausgiebig über den Text gesprochen, kommen wir doch mal zur musikalischen Betrachtung und nehmen das einmal vorweg.

00:33:26: Diesmal sprechen wir nicht über Johann Krüger oder Praxis Pietates Melika.

00:33:33: Ja ganz genau!

00:33:34: Wir haben ja schon zu Beginn erwähnt, dass das Lied Im Knopf zwischen Gesamtpunkt mit zwei Melodien abgedrucktes, die A-Melodie stammt von Johann Georg Ebeling.

00:33:47: Alle unsere Zuhörer werden sich erinnern – das war der Amps Nachfolger von Jörg Krüger.

00:33:54: Wir haben ihn in früheren Episoden bereits erwähnt.

00:33:57: Ebelingen schrieb diese Melodie und veröffentlichte in seiner Gesangbuchreihe diesen Gehertext auch mit dieser Melodie Auch wenn er sie ursprünglich für einen anderen Text komponiert hatte.

00:34:12: Ebelingsmelodien sind wirklich schön, aber nicht immer ganz leicht.

00:34:16: Weshalb sich für manche Texte wie auch diesen verschiedene Melodien weiter vererbt haben?

00:34:24: Früher waren die Gesangbucharchitekten durchaus ziemlich kreativ.

00:34:32: Man beachte ja allein schon den melodischen Umfang also den Arbitrus... Das ist schon wild.

00:34:39: Und in den ersten zwei Takten geht es über die Oktaf direkt hinaus, das ist nicht für jede Gemeinde immer so leicht zu stemmen.

00:34:49: und auch wenn ich weiß dass du Fan dieser Melodie

00:34:54: bist... Mehr absolut!

00:34:56: ...präferiere ich die zweite Melodiefassung ohne die erste in irgendeiner Art und Weise schmälern zu wollen.

00:35:03: aber damit wir den direkten Vergleich haben hören wir hier auch noch mal rein.

00:37:46: Die Melodie gehört zum Choral, ja jetzt stolper ich vermutlich.

00:37:51: Ich würde sagen Valet will ich dir geben.

00:37:53: Manche sagen Valett will ich dich geben.

00:37:58: Ja es leitet sich vom lateinischen Valete als einem Abschiedsgroß ab.

00:38:02: wie man's ausspricht verurteilt mich nicht.

00:38:07: Ich weiß das einfach nicht!

00:38:09: Die Melodie jedoch ist von Melchor-Teschner komponiert und ähnelt der Ebeling Melodie auf eine gewisse Art und Weise, passt ja auch metrisch auf denselben Text.

00:38:20: Jedoch war sie naja weit beliebter.

00:38:24: Johann Sebastian Bach verwendet sie mehrfach unter anderem in sehr schönen großen Koral-Fantasien, Corellen in seinen Kantaten usw.. Es wird vielfach zu unterschiedlichen Texten verwandt findet sich in verschiedenen evangelischen Gesangbüchern, wir haben die Melodie im Gotteslob und auch bei uns im NGB.

00:38:48: So nach so vielen Ideen Gedanken und Impulsen sollten wir zum Schluss kommen Und wenn du einverstanden bist fange ich mit dem Schluss Fazit an.

00:38:59: Lieben gern.

00:39:01: Ich habe einen ganz persönlichen Bezug zu diesem Text denn Meine Frau, evangelische Kantorin in der Zionskirche.

00:39:13: Eine Gemeinde, in der wir sehr viel Zeit auch gemeinsam verbringen und eine Kirche, in die wir sehr gerne gehen, lebt vor allen Dingen diese letzte Strophe – und man hört wenn wir dort mit der Gemeinde diese letzte Strafe singen immer.

00:39:49: Das erinnert mich ein bisschen an meine Studienzeit.

00:39:53: Ich habe eine Zeit lang in Siegen studiert und die dortigen Gemeinden hatten natürlich einen Gesangbuch Lieblingslied, das für Jesus hilft Siegen.

00:40:01: wenn Siegen dort kleingeschrieben wird Dann lass mich doch gern anschließen.

00:40:08: Die Entdeckung für mich in diesen Lobliedern, also da nehme ich auch das aus dem letzten Monat gerne noch mit rein ist immer wieder neu.

00:40:17: die Vielschichtigkeit und die Möglichkeit nicht nur loben zu dürfen wenn es mir gut geht.

00:40:24: Auch ist das Loblied ja so ein Vehikel um Wünsche zum Ausdruck zu bringen Also dass alles gar nicht so sehr heilig.

00:40:35: Und ein zweites Fazit, das nehme ich mir jetzt auch noch raus.

00:40:41: Es geht mir so bei den Vorbereitungen auf unser Schreiben so dass sich auch so ganz unvermittelt manchmal auf gedankliche Pfade komme und es ist schön zu spüren, dass diese Texte etwas mit einem machen und das berührt mich dann auf so einer Meta-Ebene immer wieder neu.

00:41:07: Und genau damit, mit diesen Schlussgedanken wollen wir uns auch von euch verabschieden.

00:41:14: Wir hoffen auch hier wieder dass ihr Lied-Gedanken mitnehmen können!

00:41:17: Wir wünschen euch eine schöne Sommerzeit schreibt uns gerne zu diesem oder anderen Liedern abonniert uns empfehlt uns gerne weiter und sofern ihr noch nicht alle Folgen gehört habt hört doch mal rein.

00:41:31: im Sommer lässt sich das bestimmt besonders gut machen im Urlaub oder sonst wo.

00:41:36: Bis dahin, alles Liebe und alles Gute.

00:41:39: Herzliche Grüße bis bald!

00:41:41: Tschüß.